Als wir beschlossen haben nach Myanmar zu reisen, stand für mich eines von Anfang an fest: ich wollte die Pagoden in Bagan nicht nur vom Boden, sondern auch aus der Vogelperspektive sehen. Im Internet hatte ich Dutzende Bilder von den Pagodenfeldern mit Ballonen angeschaut und war hingerissen von der Aussicht. Daher buchten wir einen Ballonflug bei Golden Eagle, einem der drei großen Anbieter.

Nachdem wir am Vortag schon etwa 10 der 3824 Pagoden (unser Guide erwähnte die Zahl so oft, dass ich sie mir schon nach 20 Minuten eingeprägt hatte) mit der Pferdekutsche erkundet hatten, wurden wir morgens um 5:30 Uhr vom Hotel per Bus abgeholt und fuhren zur nahegelegenen Abflugstelle.

Dort empfang uns Urs, ein gut gelaunter älterer Schweizer, welcher uns ein ausführliches Sicherheitsbriefing gab.

Währenddessen posierte ein birmanisches Hochzeitspaar in klassischem weißen Hochzeitskleid und schwarzem Anzug vor dem Ballon neben uns. Dies sollte sicherlich ein ganz besonderer Tag für die beiden Verliebten werden!

19 Ballone in der Luft

Wenig später ging es dann auch schon los. Von dem Feld starteten an dem Tag ingesamt 19 Ballone. Wir fuhren in einem kleinen Ballon mit 8 Passagieren und unserem Schweizer Piloten.

Urs öffnete das Ventil des Gasbrenners und die heiße Luft strömte in den Ballon. Bis er sich langsam in Bewegung setzte wurde er von mehreren Helfern am Boden gehalten. Diese gaben dem Gefährt noch die richtige Richtung, insbesondere damit wir genügend Abstand zu den anderen Ballonen hatten und dann schwebten wir sanft davon.

Ein Blick auf das Pagodenfeld

Nach kurzer Zeit hatten wir eine Höhe von etwa 100 Metern erreicht und gleiteten gemächlich dahin. Unter uns breitete sich ein fast unüberschaubares Feld mit Tausenden Pagoden aus. Wohin man auch blickte überall golden verzierte oder aus rötlichen Steinen erbaute Tempel. Und dazu die aufgehende Sonne. Einfach ein unbeschreiblicher Anblick!

Zwei Ballone berühren sich

Dieses Szenario mit der Kamera komplett einzufangen – ein unmögliches Unterfangen! Und während ich dies trotzdem versuchte, kam plötzlich ein Aufschrei von einem der Mitreisenden: „Die zwei Ballone kollidieren!“ Ich nahm überrascht die Kamera vom Auge und drehte mich in die andere Richtung. Und tatsächlich: zwei Ballone berührten sich am bauchigen Teil der Ballonhaut. Ich war leicht geschockt und dachte nur: „Wenn das mal gutgeht…“ Die Heißluftballone fuhren weiter direkt aneinander und umkreisten einander langsam wie das verliebte burmesische Hochzeitspaar.

Urs bemerkte unsere Aufregung und schaltete sich mit Schweizer Dialekt entspannt ein: „Oh, das sind nur küssende Ballone! Da müsst Ihr Euch keine Sorgen machen. Da passiert nichts! Gefährlich ist es nur, wenn ein Ballon mit dem Korb auf die Hülle eines anderen trifft!“

Die Erklärung des Schweizers sorgte für etwas Entspannung, auch wenn weiter alle auf die beiden Ballone starrten. Die Ballone rieben aneinander und umtanzten sich minutenlang. Erst dann entfernten sie sich langsam und schwebten ruhig über die Pagoden. Die Piloten der Ballone hatten das Problem souverän gelöst.

Die Shwesandaw Pagode und der Irrawaddy Fluß

In der Nähe war der Irrawaddy Fluß zu erkennen, im Vordergrund ein Meer an Tempel. Wir flogen über Felder, auf denen Bauern mit Ochsenkarren die Erde umgruben. Dann erschien die berühmte Shwesandaw Pagode, welche wir am Tag zuvor schon besucht hatten.

Über die Dhammayazika Pagode flogen wir nahezu direkt darüber. Eine Pagode, die uns besonders gut gefallen hat, weil Sie sich auch optisch von den anderen abhebt.

Hin und wieder änderte Urs die Ausrichtung des Korbes, so dass jeder den Ausblick auf die verschiedenen Heiligtümer genießen konnte.

Die perfekte Landung

Nach etwa einer Stunde kam dann das Kommando zur Landung. Wie im Briefing angewiesen, gingen wir alle in die Hocke und hielten uns an den dafür angebrachten Halteleinen fest.

Direkt vor uns fuhr war noch ein anderer Ballon und das Landefeld erschien mir nicht besonders groß. Unter uns zog eine Stromleitung und dann ein Zaun vorbei. Ich wartete auf einen harten Aufprall.

Parallel zu unserem Ballon setzte sich die Bodencrew in Bewegung und lief neben uns her.  Viele Hände bekamen den Ballon zu fassen. Wir touchierten ein oder zwei Mal den Boden und plötzlich standen wir ruhig auf dem Boden.

Der Schweizer öffnete das Loch an der Oberseite des Ballons und die Luft entwich langsam aus der Hülle. Ein aufregender Morgen ging mit einer souveränen Landung zu Ende.

Sekt für Alle

Schon ein paar Minuten später saßen wir mitten auf dem Feld am frisch gedeckten Frühstückstisch mit einem Glas Sekt, um gemeinsam auf die tolle Fahrt anzustoßen. Wir danken Urs, unserem Piloten, welcher uns ein unvergleichliches Erlebnis beschert hat!