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Im Ballon über die Serengeti

Im Ballon über die Serengeti

Der Wecker klingelt. Es ist mitten in der Nacht. Wir stehen auf, ziehen uns an und gehen müde zum Jeep, wo uns unser Guide Jeremia erwartet.

Die Fahrt durch die Savanne ist holprig, schlafen ist nur schwer möglich. Ich döse vor mich hin. Im Dunkel der Nacht sieht alles gleich aus. Schilder gibt es nicht. Ich frage mich die ganze Zeit, wie unser Guide ohne Navi den Weg findet.

Wir biegen vom Feldweg auf eine etwas bessere Straße ein. Am Wegrand streunen zwei Hyänen, ihre Augen leuchten in der Finsternis. Die Fahrt geht weiter bis zum Eingangstor des Serengeti Nationalparks. Obwohl es immer noch Nacht ist, erscheint überraschend ein Wächter und zwei Minuten später haben wir den Eingang passiert.

Der Löwe in der Finsternis

Ich schlafe ein und erwache erst wieder als der Wagen abrupt hält. Unser Fahrer legt den Rückwärtsgang ein und plötzlich sehe ich ihn: ein wunderschöner großer Löwe mit wallender Mähne sitzt einen halben Meter von uns am Straßenrand und trinkt aus einem Bach.

Zuerst beachtet er uns nicht, dann dreht er sich langsam herum, schaut uns kurz an und schreitet majestätisch vor dem Wagen vorbei in die dunkle Nacht.

Wir sind viel zu überrascht, um ein Foto zu machen.

 

„Your first time flying in a ballon?“

Wenig später halten wir irgendwo im Nichts in der Savanne und warten. Nach ein paar Minuten kommen weitere Wagen, drei davon mit jeweils einem Heißluftballon beladen. Wieder frage ich mich, wie alle den richtigen Ort gefunden haben.Aus den Wagen steigen viele Helfer und unser Pilot in einer eleganten beigen Uniform. Er stellt sich mit britischen Akzent vor und fragt, ob wir schon einmal mit einem Ballon geflogen sind. Wir verneinen und auf meine Gegenfrage, ob es für ihn auch das erste Mal wäre erklärt er mit einem Grinsen, dass er seit 14 Jahren als Ballonpilot arbeitet und seit 8 Monaten hier in Ostafrika lebt.

Vorbereitung des Ballons

Kurze Zeit später sind die Ballons vorbereitet und wir erhalten eine detaillierte Anweisung wie der Start abläuft und was wir tun sollen. Wir liegen im Korb und Jonathan betätigt den Gasbrenner. Langsam hebt sich der Balkon, es ruckelt ein wenig. Wir touchieren nochmal kurz die Erde, dann ist der Korb frei und wir steigen sanft in die Luft.

Unter dem Gasbrenner ist es heiß und beim Zünden der Flamme rauscht es laut. Wir erheben uns und schauen hinaus. Die anderen beiden Ballone fahren schon vor uns durch die Lüfte.

Im Hintergrund geht die Sonne auf, der Anblick auf die unglaubliche Weite der Savanne ist atemberaubend. Die ersten Kameras klicken, Fotos für eine fantastische Erinnerung. Wir winken den Gästen in den anderen Ballonen zu, es wird viel gelacht.

 Die Welt von oben

Nach zehn Minuten plötzlich ein Ruf: „Look there, elephants!“. Wir schauen nach unten und entdecken eine kleine Herde mit sieben Tieren. Die Elefanten sehen die riesigen Ballone und reagieren ängstlich. Das junge Elefantenbaby wird zum Schutz in die Mitte geschubst. Aus dem Rüsseln ertönt ein „Töröö“ wie seinerseits bei Benjamin Blümchen. Unser Pilot gibt Flamme und der Ballon gewinnt an Höhe. Die Tiere beruhigen sich erst, als wir die Herde überflogen haben.

Die Elefanten schützen die Babies

Wir queren ein Dorf, unten wird gerade im Freien gefrühstückt. Die Menschen winken. Weiter geht es über ein kleinen Berg. Auf der Kuppe stehen drei Giraffen und laben sich an den frischen Akazienbäumen, unbeeindruckt von den Ballonen. Auch die Paviane, die herumlaufen, ignorieren uns.

Ganz im Gegensatz dazu die drei Geparden, welche sich eben noch gemütlich im Gras gesonnt haben: sie springen auf und flüchten vor dem scheinbar übermächtigem Gegner. Wir folgen ihnen eine Weile und überrunden dann auch sie – der Ballon fliegt mit rund 5 Knoten.

Geparden auf der Flucht

Nach einer Stunde bereiten wir uns auf die Landung vor. Doch zuvor erwartet und noch ein weiteres Spektakel: 15 Giraffen wandern entspannt durch das grüne Gras, ein wundervoller Anblick diese eleganten Tiere zu beobachten!

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Dann ruft Jonathan, dass wir uns setzen sollen. Wir packen die Kameras weg und machen uns auf eine harte Landung gefasst. Die Ballon sinkt, nur noch wenige Meter bis zum Boden. Wir haben immer noch eine recht hohe Geschwindigkeit. Ich halte mich mit beiden Händen an den Gurten fest. Wir prallen auf, werden aber nur leicht geschüttelt. Der Ballon hebt sich erneut, fliegt noch ein paar Meter. Dann bleibt er in aufrechter Position stehen. Eine Bilderbuchlandung, denn häufig wirft der Ballon den schon waagrecht stehenden Korb um, wie uns unser Pilot schon zuvor erklärt hat. Wir stehen auf und spenden Jonathan Applaus für den Flug und die großartige Landung.

Nach der Landung der drei Ballons versammeln wir uns im Gras und warten auf die Jeeps, welche uns abholen. Nach wenigen Minuten tauchen sie auf und die Ballone werden verpackt und auf den Anhängern verstaut.

Frühstück mit Elefanten und Nilpferden

Nach 15 Minuten Fahrt halten wir mitten in der Savanne. Wir steigen aus und werden begrüßt von klassisch gekleideten Einheimischen, welche vor einer prachtvoll eingedeckten Essenstafel auf uns warten. Eine wirklich unrealistische Szenerie, die sich vor uns abspielt:

Wie es sich vor dem Essen gehört, ist Hände waschen angesagt. Ein Helfer schüttet uns aus einer historisch anmutenden Kanne Wasser über die Hände. Danach gibt es erst einmal Sekt und frische Früchte. Weitere Leckereien wie Omelett mit Honig und Fruchtsäfte folgen.

Plötzlich zeigt der Sitznachbar hinter mich. Wir drehen uns um und nur wenige hundert Meter entfernt taucht eine kleine Herde mit Elefanten auf. Wir beobachten fasziniert die Dickhäuter, wie sie das frische Gras fressen. Getoppt wird der fantastische Abschluss nur noch durch das Nilpferd, welches wenige Minuten später aus einen naheliegenden Bach heraufklettert und gemütlich davontrabbt.

Warum zu einem Ballonflug immer Champagner gehört und warum der Flugkapitän auch Pilot genannt wird, könnt ihr in dieser Geschichte von Jonathan erfahren!

Über den Autor

Oliver Heinrich

Weltenbummler, Fotograf, Storyteller. Reist seit zwei Jahrzehnten um den Erdball und bringt verrückte Geschichten und unzählige Beweisfotos mit heim. Lieblingszitat: „Die schönsten Dinge im Leben sind keine Dinge.“

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