Die Amalfiküste gehört zu jenen Regionen Europas, die man nicht einfach „abhakt“. Man erlebt sie – Kurve für Kurve, Aussichtspunkt für Aussichtspunkt. Unsere Reise führte uns mit dem Auto entlang der berühmten Küstenstraße, der Strada Statale 163, die sich spektakulär zwischen steilen Felswänden und dem tiefblauen Tyrrhenischen Meer entlangschlängelt. Schon nach den ersten Kilometern war klar: Diese Fahrt ist kein Mittel zum Zweck, sondern ein zentrales Erlebnis der Reise.
Die Küstenstraße selbst ist die erste Attraktion
Das Fahren an der Amalfiküste erfordert Aufmerksamkeit, Geduld – und ein gewisses Vertrauen in die eigenen Fahrkünste. Die Straße ist schmal, kurvig und stellenweise überraschend eng. Busse, Lieferwagen und Motorroller teilen sich den Asphalt, während links die Felsen aufragen und rechts der Blick weit hinunter auf das Meer fällt. Gleichzeitig belohnt jede Kurve mit neuen Perspektiven: kleine Buchten, pastellfarbene Häuser, Zitronenhaine und Terrassen, die scheinbar an den Felsen kleben.
Gerade deshalb lohnt es sich, mit dem eigenen Wagen unterwegs zu sein. Man kann spontan anhalten, Aussichtspunkte nutzen, kleine Abstecher machen und das Tempo selbst bestimmen – etwas, das bei organisierten Touren oft verloren geht.
Positano – Postkartenmotiv in Echtzeit
Einer der ersten Höhepunkte unserer Fahrt war Positano. Schon von oben wirkt der Ort wie ein Bühnenbild: Häuser in warmen Farben, übereinander gestapelt, mit Blick auf das Meer. Parkplätze sind rar und teuer, doch der Spaziergang hinunter lohnt sich. Enge Gassen, kleine Boutiquen, Cafés und immer wieder Blicke auf den Strand prägen das Bild.
Positano ist lebendig, elegant und touristisch – aber nicht ohne Charme. Besonders schön ist der Ort am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn das Licht weicher wird und sich das Meer langsam verfärbt.
Amalfi – historisches Herz der Küste
Weiter ging es nach Amalfi, dem Ort, der der gesamten Küste ihren Namen gab. Im Vergleich zu Positano wirkt Amalfi städtischer und historischer. Der Dom von Amalfi dominiert den zentralen Platz und erzählt von der Zeit, als die Stadt eine bedeutende Seemacht war.
Ein Spaziergang durch die Altstadt führt vorbei an kleinen Läden, Zitronenprodukten und schattigen Innenhöfen. Amalfi ist ein guter Ort, um eine Pause einzulegen, einen Espresso zu trinken und das Treiben zu beobachten – oder sich einfach treiben zu lassen.
Ravello – Ruhe über dem Meer
Ein Abstecher ins höher gelegene Ravello führte uns weg von der Küstenstraße hinauf in eine ruhigere Welt. Hier oben ist das Tempo langsamer, die Atmosphäre entspannter. Ravello ist bekannt für seine Villen und Gärten, allen voran die Villa Cimbrone und die Villa Rufolo, von deren Terrassen sich einige der eindrucksvollsten Ausblicke der gesamten Region bieten.
Der Blick reicht weit über das Meer, während unter einem die Küste fast unwirklich erscheint. Ravello fühlt sich weniger touristisch und dafür umso kontemplativer an – ein idealer Kontrast zur oft lebhaften Küstenstraße.
Kleine Orte und große Ausblicke
Neben den bekannten Namen machten gerade die kleineren Orte und spontanen Stopps den Reiz der Reise aus: Aussichtspunkte am Straßenrand, kurze Spaziergänge zu versteckten Buchten oder kleine Restaurants mit Terrassen über dem Meer. Immer wieder zeigte sich, wie eng hier Landschaft, Architektur und Alltag miteinander verwoben sind.
Das Fahren selbst wurde dabei zum Teil des Erlebnisses. Die Amalfiküste erschließt sich nicht in einem einzigen Blick, sondern in vielen Momenten – beim Anhalten, Aussteigen, Schauen.
Fazit: Die Amalfiküste erlebt man am besten auf der Straße
Die Amalfiküste mit dem Auto zu erkunden bedeutet, sich auf die Region einzulassen. Es bedeutet, langsam zu fahren, Umwege in Kauf zu nehmen und sich Zeit zu nehmen. Wer bereit ist, sich auf die besonderen Bedingungen einzustellen, wird mit einer der eindrucksvollsten Küstenlandschaften Europas belohnt.
Zwischen Positano, Amalfi, Ravello und den vielen kleinen Orten dazwischen zeigt sich die Amalfiküste als das, was sie ist: kein einzelnes Ziel, sondern eine Reise voller Eindrücke, Kontraste und Ausblicke, die lange in Erinnerung bleiben.
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