Diese Reise führte mich vom Sultanat Oman mit seinen Moscheen, Wadis und endlosen Wüstenlandschaften bis auf die Gewürzinsel Sansibar im Indischen Ozean.
Zwischen orientalischer Tradition, spektakulärer Natur und tropischer Gelassenheit erlebte ich eine außergewöhnliche Tour voller Kontraste: vom „Grand Canyon Arabiens“ über Nächte in der Wüste bis zu palmengesäumten Stränden, Stone Town und dem süßen Nichtstun. Ein Trip, der zeigt, wie vielfältig und ursprünglich diese Regionen noch sind.
Ankunft in Muskat: Erste Eindrücke aus dem Sultanat Oman
Nach nur zwölf Stunden Reisezeit stand ich bereits mitten in einer neuen Welt. Am Morgen landete ich in Muskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman. Der Check-in im Hotel war sofort möglich, und nach einer kurzen Verschnaufpause begann unsere erste Stadttour.
Arm- und knöchelbedeckt betrat ich die gewaltige Sultan-Qabus-Moschee. Sie wurde aus indischem Sandstein erbaut und 2001 eingeweiht. Sieben Minarette ragen in den Himmel, auf spiegelblankem Marmor finden bis zu 20.000 Gläubige Platz. Der acht Tonnen schwere Kronleuchter wirkte wie eine schwebende Stadt – beeindruckend.
Mutrah Souq & Altstadt von Muskat: Weihrauch, Datteln und Tradition
Weiter ging es zum Mutraha Souq, durch das Labyrinth geschlendert und erste Eindrücke von den Souvenirs erhalten. Im Oman ist Weihrauchduft allgegenwärtig. Weihrauch und Datteln waren vor dem Erdöl ein wichtiges Exportgut. Durch den Verkauf des Erdöls wurde der Oman zu einem reichen Sultanat.
Die Stadtplaner haben das Geld sinnvoll eingesetzt, denn das Stadtbild von Muskat verbindet das Orientalische, Tradition und Modernes. Wolkenkratzer, kein Haus hat mehr als 11 Stockwerke – sind hier aber nicht zu finden. Aus der Vergangenheit gibt es auf den Felsen an der Küste lehmfarbene portugiesische Festungen. Den pompösen vergitterten Sultanspalast umrundeten wir, dort werden nur Staatsgäste begrüßt.
Dhau-Fahrt bei Sonnenuntergang: Magische Momente am Golf von Oman
In der Dämmerung segelten wir mit einer Dhau entlang der Küste des Golfs von Oman – jenem traditionellen Bootstyp, mit dem der Legende nach bereits Sindbad der Seefahrer unterwegs war. Auf der Landseite verschwand die Sonne hinter des Bergen und aus dem Wasser stieg der volle Mond auf. Schöner kann ein Tag nicht enden.
Paläste, Oasen und alte Verteidigungsanlagen: Omans lebendige Geschichte
Am nächsten Morgen bestaunten wir einen Palast, der mittlerweile ein Museum ist. Durch dicke Mauern eingetreten, erkundeten wir Räume mit integrierter Belüftung und holzverzierten Decken. Zur Verteidigung wurden im Untergeschoss Datteln gepresst, der Saft erhitzt und auf die Feinde gegossen. Wir waren in friedlicher Absicht dort und konnten nach einem Bummel durch eine Datteloase die köstlichen Früchte genießen.
Jebel Shams und der „Grand Canyon Arabiens“: Naturgewalt im Oman
Gut gestärkt brachten uns Jeeps zum Jebel Shams, ein 2000 m hohes Plateau. Dort thront der 3009 m hohe Berg der Sonne. Spektakulär war es vom Plateau herunterzuschauen, denn 800 m tief eingeschnitten lag der „Grand Canyon Arabiens“ vor uns. Naturgewaltig!
Auf den vier Türmen der trutzigen Burganlage Nizwa Fort konnten wir den Sonnenuntergang aus allen Perspektiven genießen. Im Laternenschein, mit einer Fülle von Gewürzdüften umhüllt, beobachtete ich im Souq von Nizwa die lachend an mir vorbeigehende Bevölkerung.
Wahiba Sands: Wüstenerlebnis zwischen Dünen, Jeeps und Sternennacht
Nach dem leckeren Frühstück sollten wir den Kamelmarkt kennenlernen, wir waren jedoch zu spät, es gab nur noch Ziegen zu kaufen. Die Natur ist hier steinig und grau – recht eintönig. Das änderte sich nach dem Umstieg vom Bus in Allradautos, wir fuhren in ein rotsandiges Dünengebiet. – Wahiba Sands ließ mich im Sonnenuntergang Sandbaden.
Ein Hauch von der Ralley Paris Dakar spürte ich, als die abenteuerlustigen Wüstensöhne die steilen Dünen hoch rasten und halb rutschend hinunterglitten. Meine Pulsuhr überschlug sich – wir zum Glück nicht.
Meine Sternennacht in der Wüste fiel auf einen Vollmond, der den Sternen zwar etwas von ihrer Leuchtkraft nahm. Dennoch wurde der Abend am Lagerfeuer – mit Gesang, Geschichten und stillen Momenten – zu einem Erlebnis wie aus Tausendundeiner Nacht.
Sonnenaufgang in der Wüste: Dromedare, Stille und Farben
Im mystischen Morgennebel schritt das Dromedar gemächlich mit mir in den Sonnenaufgang – Wiegeschritt. Die Wüste schimmerte in allen erdenklichen Farbschattierungen von fahlgelb bis violett – unvergesslich. Nachts war im Camp ein Onyx geboren worden, es wurde zum begehrten Fotomotiv.
Genau wie das Wadi Bani Kalid – Felsspalten haben sich zu Naturbecken formiert, gefüllt mit grünem kristallklarem Wasser. Nach einer rutschigen Kletterei über Steine und Feldbrocken gab es die Möglichkeit in dieses pure Naturerlebnis einzutauchen. Bei mir sind nur die Füße nass geworden.
Sur und Turtle Beach: Dhaus, Meer und Begegnungen
Zurück am Arabischen Meer, in Sur, sahen wir, wie bis heute traditionelle Dhaus gebaut werden. Am Abend lief ich barfuß über den Sand des Turtle Beach. Einige Kinder winkten mir zu, und nach für mich überraschend herzlichen Umarmungen lieferten wir uns lachend Wettrennen ins Wasser. Auch ohne gemeinsame Sprache lässt sich Freude teilen.
Am letzten Tag führte uns eine Wanderung durch den Wadi Tiwi und weiter zum Bimah Sinkhole. Durch den Einsturz von Gestein entstand hier ein Naturbecken, in dem sich Süß- und Meerwasser vermischen.
Der Abschied vom Oman fiel mir schwer. Die Vielfalt seiner spektakulären und ursprünglichen Landschaften, ebenso wie die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen in ihrer traditionellen, farbenfrohen Kleidung, haben mich nachhaltig beeindruckt.
Von Oman nach Sansibar: Historische Verbindung zweier Welten
Aladins Wunderlampe brennt weiter, denn nach einem Nachtflug landete ich auf Sansibar.
1698 eroberte Oman Sansibar, ab 1861 gingen die Länder getrennte Wege. Kurzzeitig gehörte Sansibar zu Deutschland, wurde jedoch gegen Helgoland mit den Engländern getauscht. Heute gehört es zu Tansania.
Ich freue mich auf die Insel im Indischen Ozean mit unterschiedlichen Blautönen am Himmel und im Wasser. Das Land ist überall grün, nicht nur an Oasen und Wadis.
Sansibar: Tropisches Lebensgefühl und Entschleunigung am Strand
Karibu – willkommen. Schlafen ohne Wecker, zuckersüße Papayas, köstlichen Mangosaft mit Wein, Wellenrauschen, Palmen, Segelboote am Horizont. Viele fleißige Hände zaubern hier paradiesische Zustände. Sprich – ich lebe in den Tag hinein und genieße das süße Nichtstun. Hakuna Matata
Beim Strandspaziergang traf ich auf Julian, einen Massai. Beim Farbvergleich unserer Arme meinte er, ich wäre Cappuccino und er black coffee.
Stone Town & Gefängnisinsel: Geschichte, Architektur und Riesenschildkröten
Es war ein lehrreicher Tag. Zunächst fuhren wir mit einem kleinen Boot zur vor Stone Town gelegenen Gefängnisinsel, die früher als Quarantänestation diente. Heute leben dort Riesenschildkröten, von denen viele über hundert Jahre alt sind – der Nachwuchs ist so zahlreich, dass sogar ein kleiner „Kindergarten“ entstanden ist.
Die rasante Rückfahrt über die Gischt endete damit, dass ich bis auf die Haut nass wurde. Bei der anschließenden Führung durch die verwinkelten Gassen von Stone Town erwies sich das jedoch als willkommene, ganz natürliche Abkühlung.
Die alten Gebäude spiegeln indische, arabische und afrikanische Architektur. Doch meist sind diese verhüllt, da gerade renoviert wird. Die aufwendig geschnitzten Holztüren sind ein Wahrzeichen von Stone Town. In den Gassen spielte einst ein Kind, welches als Freddy Mercury berühmt wurde.
Neben dem lauten Markt mit angenehmen und strengen Gerüchen stehen Plattenbauhäuser, sie waren 1965 ein Geschenk der DDR. In der Vergangenheit gab es hier einen Umschlagplatz für den Sklavenhandel – auch um 1850 gab es eine weltweite Vernetzung.
Nach einem weiterem Relaxtag am Strand unter Palmen, Sundowner und Köstlichkeiten aus der Küche startete das Flugzeug wieder in die Heimat.
Fazit
Während der Oman mit seiner ursprünglichen Natur, den Wadis, der Wüste und tief verwurzelten Traditionen beeindruckt, bleibt mir Sansibar als eine exotische Insel, bewohnt von einem Volk mit tausend Wurzeln, mit den vielfältigsten Farben und Düften in Erinnerung.
Diese Reise vereint Abenteuer und Ruhe, Geschichte und Gegenwart, Orient und Afrika. Wer eine außergewöhnliche Rundreise sucht, fernab klassischer Pauschalziele, findet hier zwei faszinierende Regionen, die lange nachwirken – landschaftlich, kulturell und emotional.

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