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Autoverkehr in Italien oder: da passt immer noch eine Vespa dazwischen

Autoverkehr in Italien oder: da passt immer noch eine Vespa dazwischen

Als wir unseren Mietwagen im Herzen von Neapel abholen, fallen mir die Worte meiner Mutter wieder ein, als ich als Kind mit Ihr in Italien mit dem Auto unterwegs war: „Die fahren hier wie die Verrückten. Und bei jeder Gelegenheit wird gehupt!“

Und ja, daran hat sich seit damals nichts geändert! Nur dass ich als Erwachsener nun besser verstehe, was das tatsächlich bedeutet:

gehupt wird nicht, weil man sich – wie in Deutschland üblich – über einen anderen Verkehrsteilnehmer ärgert oder den Vordermann auf der Autobahn von der linken Spur verdrängen will. Nein, meist wird nur gehupt, um zu sagen: „Vorsicht, ich überhole jetzt! Bitte nicht ausscheren oder abbiegen!“ oder „Achtung! Hinter der engen Bergstraßenkurve kommt gleich ein kleiner Flitzer hervorgeschossen!“

Denn immer noch gehen die Einheimischen ungern vom Gas. Sei es noch so eng in den kleinen Gassen oder laufen noch so viele Personen in der Fußgängerzone. Es wird einfach nicht gebremst. Und dann ist es besser, einmal zuviel zu hupen, als einen Blechschaden zu riskieren. Das das Gehupe trotzdem nicht immer hilft, ist leicht an den vielen Kratzern, abgefahrenen Rückspiegeln oder zerbrochenen Scheinwerfern zu erkennen. Kaum ein Wagen hat keine Schramme. Auch unserer nicht, wie wir kurz vor dem Ende unserer Reise feststellen müssen. Das hat aber mehr mit der engen Garage und dem Herrn vom Hotel in Amalfi zu tun, der die Wagen umparkt, als unserem Fahrverhalten.

Wobei ich zugebe, dass wir uns schon ein wenig angepasst haben: hupen ist wirklich hilfreich, um sich bemerkbar zu machen (und macht auch Spaß, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat). Und mit den kleinen Wagen, die doch recht kraftvoll abgehen, cruised man gerne mit ein paar km/h mehr entlang der schönen Steilküste des Golfs von Neapel.

Die spannendste Geschichte erlebten wir allerdings als Fahrgast in einem Bus auf Capri: dort sind die Serpentinen und Straßen noch enger wie an der Amalfiküste oder in Neapel. Zu den meisten Hotels in Capri Stadt kommt man nur zu Fuß oder per Golfwagen. Und auch wenn die Busse deutlich kürzer wie in Deutschland sind, damit man durch die engen Kurven kommt, haben Sie fast die gleiche Breite. Und wenn sich dann noch zwei Busse entgegen kommen, zieht man buchstäblich jedes Mal den Bauch ein, damit es keinen Zusammenstoß gibt. Gut, dass am Wegrand meist auch noch Sträucher oder Hecken sind, sonst würde der Bus direkt an der gemauerten Stützwand der Bergstraße streifen.

Das Faszinierendste ist aber die Tatsache, dass egal wie eng es gerade zugeht, immer aus irgendeinem toten Winkel eine Vespa hervorschießt und sich noch dazwischen mogelt.

Interessant ist das Verhalten aller Beteiligten: niemand regt sich auf oder wirft böse Worte hinterher. So ist das nun mal mit dem Autoverkehr in Italien. Dort bleibt man einfach entspannt.

So entspannt etwa wie der Herr, der den Mietwagen zurücknimmt und den Kratzer am Kotflügel zwar entdeckt, aber einfach mal komplett ignoriert. Vermutlich müsste schon der komplette Kotflügel fehlen, damit sich eine Schadensmeldung lohnt.

Über den Autor

Oliver Heinrich

Weltenbummler, Fotograf, Storyteller. Reist seit zwei Jahrzehnten um den Erdball und bringt verrückte Geschichten und unzählige Beweisfotos mit heim. Lieblingszitat: „Die schönsten Dinge im Leben sind keine Dinge.“

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